Schüler auf den Spuren von Ober-Ramstädter Opfern in der Ukraine

Der Auschwitzgedenktag 2013

Bürgermeister Werner Schuchmann, Vertreter der Kirchen und die Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg Schule gedachten gemeinsam der Opfer des Holocaust. Die Schüler gaben der Veranstaltung das Motto „Erinnern – Handeln – Begegnen“.

Vanessa Spörls eindringliche Klarinettenklänge stimmten die ungefähr 100 Besucher im Ober-Ramstädter Prälat-Diehl-Haus auf die Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust ein.

Die Stolpersteine im Pflaster – über die alle täglich laufen - mahnen jeden nicht wegzusehen – sie mahnen aufeinander zu zugehen und Ausgrenzung - Rassismus und Hass nie mehr zuzulassen.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“,  als erster Artikel des Grundgesetzes, so Bürgermeister Schuchmann in seiner Begrüßung, sei
ein unmissverständliches Zeichen, dass sich Ausgrenzung, Intoleranz und Verfolgung  des Nationalsozialismus sich nie mehr wiederholen dürften. Diakon Gerd Wagner beleuchtete ebenfalls die Bedeutung der Menschenwürde in seiner Rede und ging auf deren Rolle im hristentum, in der Philosophie Rechtsphilosophie ein: „Die Würde des Menschen zu schützen ist Aufgabe der staatlichen Gewalt. Sie zu leben und erfahrbar zu machen, ist Aufgabe und höchste Pflicht eines jeden von uns.“

Wie dies geschehen kann, zeigten Schülerinnen der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, die seit Jahren Kontakte auf der Grundlage
ihrer historischen Recherchen zu ehemaligen Ober-Ramstädter Mitbürgern jüdischen Glaubens suchen und pflegen. Bilder von Begegnungen mit den Opfern und deren Familien, darunter die heute in Silver Springs lebende Trudy Isenberg  (92)  und ihr in Los Angeles lebender Vetters Julius Bendorf  (98)  belegten eindrucksvoll, was die Stolpersteine bewirkt haben in den letzten Jahren:  Es entstanden neue und auch dauerhafte Kontakte, ja sogar neue Freundschaften mit Menschen aus aller Welt,  deren Wurzeln hier in Ober-Ramstadt liegen.

„Bei all diesen Treffen wurde uns klar, dass der Holocaust auch die Kinder und Enkel geprägt hat, und ebenso uns selbst betrifft, wenn wir
in die Vergangenheit unserer Familien schauen“, sagten Ariane Novelli und Johanna Schumann. „Wie kann es uns nicht berühren, wen es auch in unseren eigenen Familien Opfer aber auch Täter gibt?“
„Wir müssen verstehen, dass die Probleme aktuell sind“, fügte Lisa Knoll hinzu. Hass gegen Homosexuelle im Internet und latenter Antisemitismus klagen Alischa Junk und Janina Freitag an. Vor allem die offensichtliche Gleichgültigkeit der Bevölkerung gegenüber rechtsradikalem Gedankengut und Gewaltakten mache sie betroffen, erklärten die Schülerinnen.

Die evangelische Pfarrerin Vera Langner trug kritische Gedanken bei, dass auch die Kirchen ihre eigenen Glaubensbrüder, Christen mit jüdischer Herkunft,  in der NS Zeit verraten hatten.  Klaus-Dieter Jung von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde las einen Klagepsalm Davids. Eigentlich  hatten die Schüler bei der Gedenkstunde via Skype auch mit ihren beiden Mitschülern in der Ukraine sprechen wollen, die dort auf Einladung des Bundestagspräsidenten mit 80 Jugendlichen aus der Europäischen Union Stätten nationalsozialistischer Verbrechen besuchen. Eine besondere Ehre für die jungen Ober-Ramstädter, doch die Telefon- und Internetverbindungen erweisen sich leider

"Die Stolpersteine sollen Menschen wieder zusammenbringen"

"Die Stolpersteine sollen Menschen wieder zusammenbringen", Johanna und Ariane Schumann

als zu schwierig.  Der Beitrag aus dem Osten Europas hätte die Gäste des Gedenktags an die Orte gebracht, an die Ober-Ramstädter Juden erst hin verschleppt und dann ermordet wurden. Gerade die Eltern von Julius Bendorf Dina und Joseph Bendorf sowie der Vater von Trudy wurden in den dortigen KZs ermordet.

Der Abend endete mit dem gemeinsamen Gedenken an der Erinnerungstafel für die ehemalige Synagoge in Ober-Ramstadt.