Zwei Schüler auf Einladung der Bundesregierung in der Ukraine!

Auf den Spuren der NS-Verbrechen in Osteuropa. Zwei Ober-Ramstädter mit 80 europäischen Jugendlichen in der Ukraine

OBER-RAMSTADT. Selin Ilhan und Christopher Daniels von der Ober-Ramstädter Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule fahren Ende Januar zur Jugendbegegnung des Deutschen Bundestags, die „Osteuropa als Ort nationalsozialistischer Verbrechen; Besatzung, Zwangsarbeit und Völkermord in der Ukraine“ zum Thema hat.

Die Einladung kam direkt vom Besucherdienst des Deutschen Bundestags: „Ich freue mich ihnen mitteilen zu dürfen, dass für Sie einer der 80 Plätze reserviert ist und ich Sie im Namen von Bundestagspräsident Norbert Lammert zu der Veranstaltung einladen darf“, hieß es darin. Geschichtslehrer Harald Höflein war begeistert und gleichzeitig ernüchtert: „Nur ein Platz? Wir haben ganz tolle Kandidaten für ein solches  Treffen und brauchen mindestens zwei“, antwortete er, und sein Wunsch wurde tatsächlich erfüllt.

Die 17 Jahre alte Selin Ilhan und Christopher Daniels (20) werden nun vom 24. bis 30. Januar bei dem internationalen Treffen von achtzig jungen Leuten aus der Europäischen Union dabei sein. Nach dem Auftakt in Bonn geht es fünf Tage in die Ukraine.

Einreiseschwierigkeiten wird es nicht geben. Selin, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen, hat einen deutschen Pass, genau wie Christopher, dessen Mutter Argentinierin ist. Am letzten Tag werden die zwei in Berlin beim Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus im Plenarsaal des Deutschen Bundestags sitzen. Vor den beiden liegt ein umfangreiches Reiseprogramm mit Vorträgen, Besichtigungen und ständigem Aufarbeiten in Arbeitsgruppen. Sie werden etwas über die Besonderheiten der Shoah in der Ukraine erfahren, dort  die Gedenkstätte Babyn Jar besuchen, wo unter deutscher Besatzung 1941 innerhalb von zwei Tagen mehr als 33 000 Juden erschossen wurden, werden mit Zeitzeugen von Massenerschießungen und überlebenden Zwangsarbeitern sprechen.
Das ist nicht gerade leichte Kost für die Schüler. Doch Selin und Christopher scheuen keine Konfrontation: „Wir müssen die Vergangenheit kennen, um aus ihr zu lernen, nicht zu vergessen und etwas allgemein Gültiges, Positives in die Gesellschaft zu tragen.“ Vor allem die Begegnungen halten sie für wichtig. Ihr Lehrer Harald Höflein bestärkt sie: „Lasst euch darauf ein.“ Fast beneidet er die zwei um die Einladung. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass Selin und Christopher, wenn es der Tagesablauf zulässt, täglich von unterwegs über einen Blog im Internet von ihren Eindrücken berichten wollen.

DE, 02.01.2013 Lipp

Stone Stories: Washingtoner Zeitung berichtet über Trudy Isenberg und die Stolpersteinverlegung in Ober-Ramstadt

Unsere diesjährige Stolpersteinverlegung im Mai 2012 hat auch in der USA  Interesse geweckt.  Das Schiksal der Holocaustüberlebenden Trudy Isenberg und ihre Reise nach Ober-Ramstadt werden in einem interessanten Artikel gewürdigt. Die im Großraum Washington erscheindene Washington Jewish Week mit über 150 000 Lesern hebt dabei besonders die Aktivitäten der Ober-Ramstädter Schüler hervor,  die zahlreiche Forschungen und Veranstaltungen zu dem auch heute noch aktuellen Thema machen und mit Trudy über einen langen Zeitraum in Briefkontakt standen.

Der Artikel endet mit den Gedanken der heute 91 jährigen Trudy Isenberg:

Isenberg continues to stay in touch with Hoeflein and the students. “Hitler wanted an Aryan town, an Aryan country,” she says. “And yet, one of these high school students is Indian, one is Muslim, one from Turkey. Amazing.” The town of 6,000 now boasts a population of 18,000. It is ethnically diverse.  And all walk lightly over the stones cast with the memories of those who walked the streets before. Forcing them to be careful not to stumble again.   

 Link zum Artikel:

Stone stories – Washington Jewish Week – Online Edition – Rockville, MD

Los Angeles Ober-Ramstadt: Jewish Journal berichtet über Julius Bendorfs Leben und über das Projekt

Julius und die Zeit: 97 Jahre Zeitgeschichte als Lebensgeschichte.
Julius und die Zeit: 97 Jahre Zeitgeschichte als eigene Lebensgeschichte. Bilder: David Miller, Los Angeles

Julius Bendorfs Leben und das Projekt der Ober-Ramstädter Lichtenbergschule werden in einem Zeitungsartikel des “Los Angeles Jewish Journal” besonders gewürdigt. Beeindruckende Bilder eines bekannten Fotografen begleiten den Bericht.  Sein Lebensweg und sein Schiksal werden im Artikel beleuchtet: Seine glückliche und unbefangene Jugend in Ober-Ramstadt, dann die Ausgrenzung und sein Weg nach Auschwitz, die Ermordung seines Bruders und seiner gesamten Familie, sowie auch sein schwieriger Neuanfang in Amerika.

Links: Julius Bendorf zeigt eine Gefangenenliste aus Auschwitz- Monowitz. Seine tätowierte Häftlingsnummer auf dem Arm weist ihn als Julius Bendorf aus. In Auschwitz ist er ein Arbeitssklave ohne Name.

Der Besuch der ganzen Familie und Wiederkehr zur Stolpersteinverlegung 2010 und seine Ernennung zum Ehrenbürger (siehe eigenen Bericht auf der Webseite) beschreiben einen amemberaubenden und wechselvollen Lebensweg im 20.Jarhundert des heute 97jährigen.  Julius Bendorf ist heute eine ganz besondere Persönlichkeit, die durch die Bilder des Fotografen David Miller besonders in Szene gesetzt wird.

Link zum Zeitungsbericht:

JewishJournal Los Angeles May 9

“Mein Vater hat endlich einen Platz gefunden”

Mahnmal für Menschlichkeit

Trudy Isenberg kommt aus den USA zur Verlegung von Stolpersteinen nach Ober-Ramstadt

Stolpersteine erinnern an Familie Bendorf: Die 91 Jahre alte Trudy Isenberg (Zweite von links) mit Amber Pra, Lena Lautz und Katja Zander (von links). Der Geschichtsleistungskurs der Ober-Ramstädter Lichtenbergschule hält engen Kontakt mit der Holocaustüberlebenden. Foto: Karl-Heinz Bärtl

Stolpersteine erinnern an ihre Eltern Moses und Julie Bendorf: Die 91 Jahre alte Trudy Isenberg (Zweite von links) mit Amber Pra, Lena Lautz und Katja Zander (von links). Der Geschichtsleistungskurs der Ober-Ramstädter Lichtenbergschule hält engen Kontakt mit der Holocaustüberlebenden. Foto: Karl-Heinz Bärtl

Die Tränen von Trudy Isenberg lassen erahnen, wie groß das Leid war und immer noch ist, das ihrer Familie im Nationalsozialismus angetan wurde. Als am Montag für sie und ihre Eltern Julie und Moses Bendorf in der Hammergasse 2 Stolpersteine in den Gehsteig eingelassen werden, kann sie ihre Tränen nicht zurückhalten.
Die Einundneunzigjährige, die am 12. November 1920 als Therese Gertrude Bendorf in Ober-Ramstadt zur Welt kam, ist aus Silver Springs in den USA angereist, um dabei zu sein, als ihr und Angehörigen ihrer jüdischen Familie ein Andenken gesetzt wird. Ihre Tochter Ellen Hoffman und deren Mann Arnold stehen weinend bei ihr. Die betagte Ober-Ramstädterin Christiane Meese, eine Freundin von Trudy Isenberg, steht ihr ebenfalls tröstend zur Seite. Auch unter den anderen Gästen ist die Anteilnahme groß. Vielen geht der Akt der Stolpersteinverlegung so nah, dass sie mitweinen müssen. Trudy Isenberg ist im Januar 1939 von ihren Eltern mit letztem Geld zur Rettung allein in die USA geschickt worden.
Bereits zum zweiten Mal ist der Kölner Künstler Gunter Demnig nach Ober-Ramstadt gekommen, um hier Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen. Vor zwei Jahren hatte er im Beisein des Auschwitzüberlebenden Julius Bendorf, ein Cousin von Trudy Isenberg, zehn Steine verlegt.
An vier Orten fügte Demnig am Montag insgesamt neun Gedenksteine ein: in der Hohlgasse 4 für Käthe, Simon und Willi Bendorf, in der Hammergasse 2 für Julie, Moses und Gertrude Bendorf, in der Grafengasse 3 für Thekla und Joseph Wartensleben sowie in der Grabengasse 3 für Heinrich Wartensleben. An jeder Station trugen Schüler die Biografien vor und untermalten diese mit Musikstücken.
Zuvor war die Verlegung im Scheunensaal der Stadthalle mit Schülern, Eltern, Bürgern und Kommunalpolitikern eröffnet worden. Hier sprachen neben der Stadträtin Ursula Pullmann und dem Schulpfarrer Ernst-Werner Knöß auch Oberstufenschüler, die mit ihrem Geschichtslehrer Harald Höflein die Aktion vorbereitet haben.
Katja Aylin Zander (20) zeigte sich tief berührt von der persönlichen Begegnung mit Trudy Isenberg, mit der die Schüler des Leistungskurses Geschichte seit einem Jahr in Kontakt sind. Christopher Daniels (20) sagte: „Das Geschehene ist zwar nicht gutzumachen, aber wir können die Menschen ehren, uns um ihre Schicksale kümmern und sie auf diese Art in ihre angestammte Nachbarschaft zurückbringen.“
Für den Zwölftklässler seien durch die Aktion Stolpersteine „Häuser, Orte und Menschen lebendiger geworden“. Die Stolpersteine seien ein „Mahnmal für Toleranz, Menschlichkeit und Solidarität und ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit“, sagte Daniels. Günter Demnig verlegt seit 1995 Gedenksteine, um an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erinnern. Inzwischen hat er mehr als 32 000 Stolpersteine verlegt.
Im Anschluss kamen Schüler und Bürger noch einmal im Prälat-Diehl-Haus zusammen, um mit Trudy Isenberg, ihrer Familie und ihren früheren Freundinnen Käthe Ackermann, Emma Sachse und Christiane Meese ins Gespräch zu kommen. Ihr Vater und ihre Mutter seien zurückgekehrt dorthin, wo sie einmal hingehört haben, sagte Trudy Isenberg. Ihr Vater, wahrscheinlich in Trawniki in Polen ermordet, habe damit wieder einen Platz.denn er hatte bis jetzt keinen Grabstein.

Auf dem Weg zur Stolpersteinverlegung am 14. Mai:

Die Synagoge in Ober-Ramstadt brannte und die Luft war voller Qualm. Häuser wurden zerstört und Leute auf offener Straße verprügelt. Nachts zog die SA um die Häuser und sang hasserfüllte Lieder.

Erinnerungen an die Reichskristallnacht in Ober-Ramstadt. Trudy Isenberg hat sie erlebt und in all dem Chaos ihren Geburtstag gefeiert. Ihr 18 Geburtstag 1m 12.11 1938 wird sie nie vergessen. Kurz danach wird sie von ihren Eltern in die USA geschickt, in Sicherheit. Ihre Eltern, wie so viele andere, überleben die NS-Zeit nicht, sie wird sie nie wieder sehen.

Die Schüler haben eine in den letzten Jahren wieder einen Kontakt geknüpft zu Trudy Isenberg und ihrer Familie, die damals noch Gertrud Bendorf hieß.

Am 14. Mai wird sie anwesend sein bei der Verlegung von Stolpersteinen für sie und ihre Familie. Auch zu Ruth Markover aus Israel und Frau Straßburger-Grüber aus Wermelskirchen konnte ein Kontakt geknüpft werden. Frau Strassburger-Grüber und Frau Markover stehen stellvertretend für die verzweigte Familie Wartensleben, mit der Schüler in letzter Zeit begonnen haben Kontakt zu knüpfen.

Ab 15 Uhr 30 wird in der Scheunengalerie die Auftaktveranstaltung zur Verlegung der Stolpersteine beginnen.

Ab 16 Uhr werden beginnend mit der Hohlgasse über die Hammergasse, die Grafengasse und die Grabengasse Stolpersteine für 9 weitere Opfer der Stolpersteine verlegt werden.

Ab 18 Uhr wird im Prälat-Diehl-Haus ein gemeinsamer Abschluss stattfinden, wo es noch die Möglichkeit zur Begegnung mit den Gästen aus Amerika gibt.

 

 

Ein Jahrhundert bewegte und bewegende deutsche Geschichte! Julius Bendorf wird 97.

Ein Stollen und ein Fotoband über seine bewegenden Reisen nach Ober-Ramstadt im Jahr 2010/11 für Julius Bendorf!

Am 4.01.2012 feierte Julius Bendorf seinen 97. Geburtstag, nicht ohne einen Geburtstagsbrief mit zahlreichen Unterschriften und Glückwünshcen von Schülerinnen und Schülern der GCLS.  Auch seine Lieblingsspeise, ein Stollen des Ober-Ramstädter Bäckers Finger, fand seinen beschwerlichenWeg nach Los Angeles. Zudem erreichte ihn ein sehr schöner Fotoband über seine drei Reisen in die alte Heimat. Der von Christa Schemel-Trumpfheller gestaltete Band fand bei Julius und seiner Familie großen Anklang. Eine sehr schöne Erinnerung, die vielleicht motiviert, doch noch mal die Reise zu wagen. Wir würden uns freuen!

 

Weihnachtsgrüße und ein frohes neues Jahr für alle Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule!

“Alles Gute für eure Zukunft”  von Julius Bendorf und seiner Familie!

Immer noch ein intensiver Kontakt: Weihnachtsgrüße an alle LGS Schüler von Julius Bendorf!

Schüler gegen das Vergessen

Lena Lautz und Katja Zander berichten über ihren Briefwechsel mit Trudy Isenberg aus Ober-Ramstadt, deren Eltern im Holocaust ermordet wurden.
Lena Lautz und Katja Zander berichten über ihren Briefwechsel mit Trudy Isenberg aus Baltimore, deren Eltern aus Ober-Ramstadt kamen und im Holocaust ermordet wurden.

Die Schüler der beiden Lichtenberg Schulen aus Darmstadt und Ober-Ramstadt gestalteten einen Abend zum Thema “Zukunft der Erinnerung”.

Schüler im Alter von 12 bis 19 sprachen vor circa 300 interessierten Gästen mit dem Schriftseller Peter Härtling Schülern über ihre von der Auseinandersetzung mit Anne Frank inspirierten Texte. Peter Härtling, der als Lektor half die erste Ausgabe der Tagebücher von Anne Frank herauszugeben stellte sich den Fragen der Schüler.  Peter Härtling und die Schüler kommen zum Schluss, dass Lehren und Parallelen nicht immer nur in der Ferne zu sehen sind! Ausgrenzung und Unmenschlichkeit findet sich auch heute im Alltag.

Carmen Kehr erzählt von der Geschichte des Projekts und ihrer Begegnung mit Julius Bendorf.

Im zweiten Teil  berichteten die Schüler der GCLS Ober-Ramstadt von ihrer Beschäftigung mit der Geschichte ihrer eigenen Stadt in der NS Zeit und ihrer Begegnung mit Julius Bendorf, einem Überlebenden des Holocaust. In einer bewegenden Filmpräsentation entwickelte sich eine Annäherung  an die vielen Aktivitäten der Schüler, die sich seit 2008 mit ihren historischen Arbeiten den Auschwitzgedenktag gestalten und sich vor allem bemühen die Opfer und die Familienangehörigen ehemaliger jüdischer Bürger aus Ober-Ramstadt ausfindig zu machen und mir ihnen in Kontakt zu treten.

Die eintätowierte KZ-Nummer auf dem Arm des ehemaligen Ober-Ramstädter Bürgers Julius Bendorf, der als Jude Auschwitz überlebte, prägte sich in das Gedächtnis der Schüler mehr ein als jede Quelle aus dem Geschichtsbuch, so Eldar Numanovic.

 

 

LK-Geschichte beeindruckt mit seinen Beiträgen das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Gertrud Bendorf als 12 jährige mit Henry und Manfred Bendorf, den Kindern ihrer Verwandten. 1939 schicken ihre Eltern sie nach Amerika in Sicherheit. Sie wird sie nie wiedersehen: Moses und Juli Bendorf überleben den Holocaust nicht. Alleine in der USA verbindet Gertrud nur noch die Freundschaft zu drei Freundinnen, die in der NS-Zeit weiter zu ihr standen. Die Freundinnen schreiben sich nach dem Krieg Briefe und sehen sich 1971 zum ersten Mal wieder. Eine Geschichte von vielen aus Ober-Ramstadt.

Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt präsentiert Schülerarbeiten zur jüdischen Vergangenheit Ober-Ramstadts

Oberstufenschüler der GCLS werden zu regionalgeschichtlichen Forschern  und begeistern damit Historikerin aus Frankfurt.

Die Präsentation der Themen verfolgte Dr. Monica Kingreen vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des jüdischen Museums in Frankfurt. Mit spürbarer Aufregung  kickten die Schüler Bild für Bild ihrer vorbereiteten Themen zum früheren jüdischen Leben in der Stadt an und berichteten über ihre Nachforschungen. Dabei wurden einzelne Persönlichkeiten und Familien lebendig in ihrem Lebensalltag in der Dorfgemeinschaft vor der Machtübernahme durch die Nazis 1933. Beispielhaft werden drei Lebensläufe und zwei Familien anhand von Bildern vorgestellt. Auch über das religiöse Leben und die Synagoge berichtet eine Gruppe.  Schwerpunkt der Seite des Instituts soll das Leben der jüdischen Gemeinden vor dem Holocaust sein, dennoch ist auch die “Reichskristallnacht” ein Thema. Die Geschichte und die Bilder der Reichspogromnacht in Ober-Ramstadt bilden eine Besonderheit in der Präsentation: Eine seltene Bilderfolge von circa 20 Bildern, die Zuschauer, Passanten  und die Feuerwehr über einen längeren Zeitverlauf zeigen. Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Reaktionen laden zur Interpretation ein. Frau Dr. Kingreen ist äußerst beeindruckt und möchte den kompletten Satz Bilder, der im Archiv des Vereins für Heimatgeschichte lagert.

Was die Schüler ausgearbeitet haben, soll demnächst auf die Website des Zentrums gestellt und damit ein Kapitel der Ober-Ramstädter Ortsgeschichte für jeden zugänglich werden. Frau Dr. Kingreen zeigte sich sichtlich beeindruckt und lobte die Schüler immer wieder. Die Schüler wiederum interessieren sich für Fragen zu Konzept und Aufbereitung der Webseite.

Aufschlussreich und interessant seien, so Kingreen, vor allem auch die Fotos vom täglichen Leben, von Arbeit und Alltag, sowie vom Zusammenleben im Sport- , Gesang oder Karnevalsverein.
Bei den vorhandenen Bildern machte sie kaum Einschränkungen: „Klar können wir auch ganze Fotoserien einstellen.“ Die Auswahl aus dem vorhandenen Material ist für die Schüler derzeit das größte Problem: Über die letzten Jahre wurde unglaublich viel zusammengetragen und durch die Website über die Stolpersteine in Ober-Ramstadt kommen immer mehr Kontakte und Material hinzu.

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Ein Stadtrundgang mit “Elisabeth May”

„Ich hab mich früher nie für die Geschichte meiner Familie interessiert“

Elisabeth Miura (geborene May) der Archivar der Stadt Dieburg, Frau Posselt und die Schülerinnen Amber Pra, Carmen Kehr und Berna Er lassen sich die Bedeutung der Inschriften erläutern.

Elisabeth Miura, geborene May, freut sich über die Begrüßung durch Frau Posselt, die Verantwortliche für den jüdischen Friedhof in Dieburg und die Schüler. Sie befindet sich auf einer Reise in die Vergangenheit ihrer Familie. Eine Familie, die es noch schaffte 1938 der Vernichtung durch Flucht in die USA zu entkommen. Ihre Ahnen waren angesehene Ortsbürger in Ober-Ramstadt, Kaufleute und Metzger, die im Turnverein und in der jüdischen Gemeinde sich engagierten. Das Elternhaus ihrer Urgroßmutter Emma May stand in der Kirchstraße 11, später war ihre Metzgerei in der Darmstädterstraße 33. Die Flucht aus der alten Heimat und der Neubeginn in der USA waren nicht leicht für ihre Familie. Frau Miura bringt Bilder und Memoiren ihres Cousins Albert May mit, der als 16 Jähriger 1936 mit seiner Familie aus Ober-Ramstadt fliehen musste. Viel hatten sie zurück lassen müssen und der Neuanfang in der USA war schwer. Der heute 91 jährige erinnert sich auf 40 Seiten an eine unbeschwerte Kindheit im evangelischen Kindergarten, im Turnverein und in der Schule. Von Ausgrenzung war damals noch nichts zu spüren für ihn. Aber auch die Entrechtung und Erniedrigung nach der Machtergreifung beschreibt er genau. Später kommt Albert als amerikanischer Soldat zurück, mit ambivalenten Gefühlen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Julius Bendorf wird Ehrenbürger Ober-Ramstadts

Im Einsatz für Frieden und Versöhnung

Auszeichnung: Der Holocaust-Überlebende Julius Bendorf erhält das Ehrenbürgerrecht der Stadt Ober-Ramstadt

OBER-RAMSTADT „In dankbarer Anerkennung und Würdigung seines Einsatzes für den Frieden, die Verständigung und Aussöhnung der Menschen nach den Verbrechen der Nationalsozialisten …

  „In dankbarer Anerkennung und Würdigung seines Einsatzes für den Frieden, die Verständigung und Aussöhnung der Menschen nach den Verbrechen der Nationalsozialisten und des Holocaust“ hatte Ober-Ramstadts Stadtverordnetenversammlung im Februar einstimmig beschlossen, dem ehemaligen Mitbürger Julius Bendorf das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Mit seinen zwei Töchtern, einem Schwiegersohn und einem seiner fünf Enkelkinder war der Sechsundneunzigjährige nun aus Los Angeles zur Verleihung gekommen.
Freundlich lächelnd nahm der kleine Mann während einer Feierstunde des Parlaments die Auszeichnung von Bürgermeister Werner Schuchmann und dem Ersten Stadtrat Karl Vierheller entgegen. „Nunmehr ist der Kreis meines Lebens geschlossen“, sagte der in Ober-Ramstadt Geborene auf Deutsch. Seinen Namen habe er im Konzentrationslager verloren und sei nur noch eine Nummer gewesen. „Doch mit der heutigen Ehrung bin ich wieder ein Ober-Ramstädter.“ 

Dann überreichte er einen Scheck über 1000 Dollar zur Fortsetzung des „Schülerprojekts“. Es waren Schüler der Lichtenberg-Gesamtschule, die mit ihrem Lehrer Harald Höflein die vielfach verdrängte Ortsgeschichte des Dritten Reichs erforscht und den Kontakt zu dem heute in Los Angeles lebenden Bendorf wieder hergestellt hatten.
Zweimal war er im vergangen Jahr in seiner Geburtsstadt, unter anderem als Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt wurden. Mit unvoreingenommener Herzlichkeit ging Bendorf damals auf die Menschen zu. Selbstverständlich war dies nicht, waren doch seine Eltern Dina und Joseph, seine Großmutter Jettchen und sein Bruder Manfred während des Holocaust ermordet worden.
Ehrenbürgermeister Bernd Hartmann ging in seiner Laudatio auf die Geschichte der in Ober-Ramstadt verwurzelten deutschen Familie jüdischen Glaubens ein: Als Julius Bendorf nach der Befreiung der Konzentrationslagers Dachau wieder nach Ober-Ramstadt kam, fand er dort weder Verwandte noch Freunde vor. 1948 wanderte er nach Amerika aus, schuftete zuerst auf Baustellen, schlief in Bretterverschlägen – und setzte sich durch. 15 Jahre arbeitete er bei einer Filmprojektorfabrik und zuletzt in einer Computerfirma in Los Angeles.

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