Julius Bendorf ein Mensch und Freund

Julius Bendorf, Ehrenbürger der Stadt Ober-Ramstadt  verstarb am 17.02.2016 im Alter von 101 Jahren in Los Angeles

Die Schüler, Lehrer und die ganze Schulgemeinde ist tief betrübt über den Tod von Julius Bendorf, den Ober-Ramstädter Holocaustüberlebenden,  der einen tiefen und herzlichen Kontakt über viele Jahre zu den Schülern der Lichtenbergschule und zur Stadt Ober-Ramstadt pflegte.

Schüler der GCLS die ihn gekannt haben spielen für ihn

Schüler der GCLS die ihn gekannt haben spielen für ihn

Als Überlebender von Auschwitz und der Todesmärsche emigrierte er nach 1945 in die USA. 2010, als er durch die Arbeit der GCLS Schüler wieder in seine alte Heimatstadt zurückkam, nahm er seine ganze Familie, seine Kinder und Enkelkinder mit. Es wurde zu einem großartigen Ereignis, das bis heute nachwirkt. Trotz des unermesslichen Leides was man ihm persönlich und seiner Familie angetan hat, beeindruckte er die Schüler und die Ober-Ramstädter Bürger durch seinen unermüdlichen Einsatz für  die Menschenrechte und die Völkerverständigung. Vor allem aber  eroberte er die Herzen aller Schüler durch seine warmherzige,  aufgeschlossene und geistreiche Art mit der er allen Menschen begegnete. Er kam im höchsten Alter drei Mal nach Ober-Ramstadt zurück und wurde auf Grund  seiner Verdienste Ehrenbürger der Stadt Ober-Ramstadt.  Aber auch seine Familie, Margo und Toni seine Töchter aber auch die Enkelkinder verbinden wieder zahlreiche Freundschaften mit  der ehemaligen Heimatstadt, in  ihre Wurzeln liegen. Das wird immer bleiben.

Wir verlieren einen Botschafter für die Menschlichkeit und einen Freund.  Wir trauern mit der Familie Bendorf, mit der wir auch weiterhin in einem intensiven Kontakt bleiben werden. Er  wird uns fehlen.

In einer Trauerzeremonie, die von den Schülern gemeinsam mit der Stadt organisiert wurde gedachten viele Bürger, sowie aktuelle und ehemalige Schüler dem Holocaustüberlebenden und Ehrenbürger.

Berührt von einer besonderen Persönlichkeit: Carmen Kehr und Harald Höflein

Sprechen über die Begegnung mit einer besonderen Persönlichkeit: Carmen Kehr und Harald Höflein

 

Bürgermeister Schuchmann nimmt Abschied

Bürgermeister Schuchmann nimmt AbschiedGedenken an den Stolpersteinen

 

Auf Einladung des Deutschen Bundestags!

Hinter den Spitzenpolitikern und Politikerinnen sitzen Jugendlichen aus 11 Ländern mit den Abgeordneten zusammen im Innenraum

Hinter den Spitzenpolitikern und Politikerinnen sitzen Jugendliche aus 11 Ländern mit den Abgeordneten zusammen im Innenraum

Ein Erlebnis der ganz besonderen Art für Rafael Riege von der GCLS

Auf Einladung des Bundestages nahm Rafael Riege mit 80 Jugendlichen aus 11 Ländern an einem internationalen Projekt zum Holocaustgedenktag teil. Die Jugendlichen aus Russland,  Polen, Tschechien, Frankreich aber auch der USA begaben sich auf die Spuren des Schicksals der Millionen Zwangsarbeiter in Deutschland während der NS-Zeit. Im KZ Mittelbau Dora und in Berlin Schöneweide treffen sie auch auf die letzten Zeitzeugen. Eine sehr beeindruckende Begegnung! Themenschwerpunkte sind die Thema Macht und Machtmissbrauch sowie auch die Bedeutung von Schuld. Als sehr bedeutend zeigt sich aber auch das Gespräch und die Verständigung über die durchaus unterschiedlichen Erinnerungskulturen in Europa zur NS-Zeit und ihren Opfern.

Rafael im KZ Mittelbau Dora. "Vernichtung durch Arbeit" als Programm: von den über 60 000 Häftlingen starb jeder Dritte.

Am Ende sind alle Ehrengäste im deutschen Bundestag bei der offiziellen Gedenkfeier zum Holocaust-Gedenktag mit Ruth Klüger. Allerdings sitzen sie nicht auf den Besuchertribünen, nein, es gehört zur Tradition mittlerweile, dass sie direkt bei den Abgeordneten sitzen dürfen. Höhepunkte sind aber auch die persönlichen Gespräche mit Ruth Klüger, mit dem Bundespräsidenten Gauck und dem Bundestagspräsidenten Dr. Lammert, die sich besonders viel Zeit lassen für ein intensives Gespräch mit den allen Jugendlichen. Eine wichtige Begegnung auch über die Bedeutung von Menschenrechten und des gemeinsamen Europas heute.

Beeindruckend auch der kurze Film dazu:

http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw04-jugendbegegnung/403952

 

Die Überlebende Ruth Klüger im Gespräch mit den Jugendlichen

Die Überlebende Ruth Klüger im Gespräch mit den Jugendlichen

“Hört nicht auf mit dem was ihr macht”!

Stolpersteine schaffen Begegnung: Karen Elson hatte eine Großmutter aus Ober-Ramstadt

Eine Nachfahrin der Ober-Ramstädter Familie Wartensleben, an deren Schicksal Stolpersteine in der Grafengasse erinnern, war jetzt aus Columbus, Ohio in den USA angereist. Schüler des Geschichtsleistungskurses der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule führten sie zum Grundstück ihrer Vorfahren.

Georgios Michaelis erklärt Karen Elson und ihrem Mann die Geschichte der Ober-Ramstädter Synagoge. Der Platz soll nach Abraham Wartensleben benannt werden.

Georgios Michaelis erklärt Karen Elson und ihrem Mann die Geschichte der Ober-Ramstädter Synagoge. Der Platz soll bald nach Abraham Wartensleben benannt werden.

Gemeinsam auf den jahrhundertealten Spuren der Familie Wartensleben auf dem jüdichen Friedhof in Dieburg

Gemeinsam auf den jahrhundertealten Spuren der Ober-Ramstädter Familie Wartensleben auf dem jüdischen Friedhof in Dieburg.

Als klar war, dass Karen Elson mit ihrem Ehemann Jeff Ober-Ramstadt besuchen würde, haben die Schülern den Rundgang in englischer Sprache zusammengestellt. Zunächst informierte Höflein über Elsons Verbindung nach Ober-Ramstadt. „Ihre Oma, Emma Wartensleben, wurde hier als Tochter von Josef und Thekla Wartensleben geboren. Alle drei wurden im Holocaust umgebracht.“

„Es berührt mich alles sehr“, sagt Karen Elson während des Rundgangs. Meist schweigend läuft sie mit ihrem Ehemann in der Gruppe. Auch er müsse all die Informationen erst einmal verkraften, sagt er. Fotos von der brennenden Synagoge in der Reichskristallnacht, Aufnahmen von Juden, die zusammengetrieben wurden. „Das muss alles erst verarbeitet werden“, sagt Jeff Elson. In der Grafengasse 3 ist das Ziel erreicht. Andächtig blickt Karen Elson auf die Messingtafeln auf dem Boden, die an Joseph und Thekla Wartensleben erinnern. Schüler Rafael Riege erinnert an das Leben der jüdischen Familie, das so grausam endete. Karen Elsons Mutter hatte das Konzentrationslager überlebt und war später ins Ausland geflohen. „So sad“ – „So traurig“ – mehr vermag sie in den folgenden Minuten kaum zu sagen. Auch später, beim Empfang im Rathaus, ist die Ergriffenheit der amerikanischen Gäste zu spüren. Aufmerksam hören sie zu, wie Bürgermeister Werner Schuchmann von der breiten Zustimmung der Ober-Ramstädter für das Stolpersteinprojekt erzählt. Dass die Stadt das Engagement der Schüler fördert und dass es Überlegungen gibt, den Platz an der ehemaligen Synagoge nach der Familie Wartensleben zu benennen.

Karen und Jeff vor dem Haus ihrer Großmutter. Rafael Riege berichtet über Leben und Schicksal der  Familie Wartensleben mit ihren 7 Kindern.

Karen und Jeff vor dem Haus ihrer Großmutter. Rafael Riege berichtet über Leben und Schicksal der Familie Wartensleben mit ihren 7 Kindern.

Und dann findet Karen Elson plötzlich ihre Sprache wieder. Mit klarer Stimme sagt sie in die Runde: „Don’t stop what you do. It is very important for people like me“ – „Hört nicht auf, mit dem, was ihr macht. Es ist für Menschen wie mich sehr wichtig.“

Ausschnitt aus dem Bericht des Darmstädter Echos vom 22.Mai 2015

http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/ober-ramstadt/9000-Kilometer-bis-zu-den-Familienwurzeln;art1295,6247519

 

 

GCLS Schüler Janosch Warda auf Einladung des Bundestags in Polen!

70 Jahre Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee

Ein tolles Programm! Auschwitz, Warschau und Krakau, danach als Ehrengäste des deutschen Bundestags anwesend bei der Feierstunde zum Holocaustgedenktag! Gemeinsam mit 80 Jugendlichen aus fast allen Ländern Europas besucht Janosch Warda von der GCLS Polen und nimmt am Internationalen Auschwitzgedenktag teil, der alljährlich statt findet.

Ein echtes europäisches Projekt, eine Woche intensiver Austausch unter den Jugendlichen. Am Ende werden alle von Bundespräsident Gauck und Bundestagspräsident Lammert empfangen. Danach werden sie Gäste des Bundestags sein und bei der Feierstunde am 27. bei den Abgeordneten Platz nehmen.  Mit Zeitzeugeninterviews und Begegnungen mit Politikern und Historikern bewegen sich die europäischen Jugendlichen auf den Spuren des Völkermords, der in Polen besonders grausame Wunden hinterlassen hat. Von Massenerschießungen bis zum industriellen Massenmord in den Gaskammern von Auschwitz, Treblinka, Majdanek und anderen Lagern wurde der geographische Raum Polens zum wichtigsten Ort der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Von den 6 Millionen Weltkriegsopfern Polens sind 5, 7 Zivilisten. Die Zivilbevölkerung Polens war von Anfang des Krieges an  Ziel von Hitlers “Lebensraum Ost” Politik.

Janosch wird in Auschwitz auch an die vielen Ober-Ramstädter Opfer erinnern, die in Auschwitz der SS und den Gaskammern zum Opfer fielen. Auch unser Ehrenbürger,  Julius Bendorf, verlor seinen Bruder Manfred  und seine Tante Käthe Bendorf in Auschwitz. Alle anderen Mitglieder der Familie wurden in Treblinka und Theresienstadt ermordet.

 

 

Der Ort Oświecim /Auschwitz heute, der ehemalige polnische Papst warnt vor Antisemitismus, Bild von Jansoch Warda

Der Ort Oświecim /Auschwitz heute, der ehemalige polnische Papst warnt vor Antisemitismus, Bild von Jansoch Warda

 

Janosch berichtet von seinen Eindrücken: Eine sehr spannende Lektüre! Janoschs Bilder und Texte rütteln auf! LESEN!

http://janoschgoespoland.tumblr.com/

 

 

 

Sich Geschichte auf der Straße erzählen lassen!

Schüler entwickeln einen virtuellen Stadtrundgang für Ober-Ramstadt.

Die Geschichten liegt auf der Straße, das kann man in Ober-Ramstadt jetzt durchaus wörtlich nehmen. Wer sich etwas erzählen lassen will zur Historie der Stadt in der NS-Zeit, kann jetzt auf dem Handy über eine alte Karte Orte oder Symbole von Stolpersteinen anclicken um mehr zu erfahren. Audio- und Videoaufnahmen  lassen dann Biografien und Geschichten wieder lebendig werden. Der  Leistungskurs Geschichte der GCLS  hat mit viel Aufwand einen Stadtführer entwickelt, der die Geschichte des Ortes in der NS Zeit erzählt. Inhaltliche Recherche und technische Umsetzung lagen in den Händen der Schüler. Über ein Schuljahr wurde recherchiert, Karten gestaltet, Ton- und  Videoaufnahmen aufgenommen und an der Technik der Webseite gebastelt. “Forgotten Places- Lost Memories” haben die Schüler ihre Webseite genannt. Damit soll klar werden, dass viele Plätze, Straßen und Häuser eine oft fast vergessene Geschichte haben. Mit Hilfe der Seite kann man nun die Geheimnisse Ober-Ramstadts direkt vor Ort entschlüsseln.

Lost Memories - Webseite Screenshot clicken und ausprobieren!

 

hier clicken und ausprobieren!

http://www.stolpersteine-ober-ramstadt.de/projekt/wp2/

 

Folgende Schüler haben die Seite gestaltet: Stefan Reuter, Cris Secco, Julian Tröller, Kilian Inhofer, Chris , Selin Ilhan, Janina Freitag, Marielle Fröhlich, Sarah Kreickenbaum, EmiliaKintop, Laura Marzano, Jenny Rückert,  Jannik Tröller,   Sebastian Funk, Mero Kaya, Janine Fernahl, Lucas Summer.

 

GCLS Schülerarbeiten im Heimatmuseum ausgestellt

 

Erzwungene Wege, Auswanderung und Flucht aus Ober-Ramstadt im 19. und 20. Jahrhundert 

Eng wurde es am Sonntag im Museum Ober-Ramstadt. Das Interesse an der Ausstellung “Erzwungene Wege – Auswanderung aus Ober-Ramstadt vom 18. bis zum 20. Jahrhundert hatte

Einmal durch ganz Europa, dann Ägypten, Palästina und die USA sind die Stationen einer Flucht.

Pässe zeugen von einer langen Flucht: Berthold und Marie Louise Wartensleben, seine Frau. Seit Ende 1933 flohen sie durch die halbe Welt, um dann 1939 endlich in der USA anzukommen.

zahlreiche Besucher zur Eröffnung gelockt. Museumsleiter Otto Weber, der nach 50 Jahren im kommenden Monat sein Amt abgeben will, hatte die Besuchet begrüßt. In die eigentliche Ausstellung führte der designierte Nachfolger Matthias Rhode ein.  Zuvor stimmte Jürgen  Poth von “Guggugg” auf das Thema musikalisch ein. Matthias Rhode versuchte die Beweggründe für die verschiedenen Auswanderungswellen darzustellen.  Zu seinem Bedauern konnte er nicht genau ermitteln, wie viele Ober-Ramstädter ausgewandert waren und deren verschiedenen späteren Wohnorte. Die Auswanderung aus Ober-Ramstadt gliederte sich im Wesentlichen in drei Teile. Der erste Schub ging Richtung Ungarn, der zweite kam wegen wirtschaftlicher Gründe in Gang mitdem Hauptziel Amerika.

Anfassen erlaubt! Schüler der GCLS gestalten Ausstellungsteil über Flucht und Deportation der Ober-Ramstädter Juden nach 1933

Der dritte Ausstellungsteil zur Flucht  aus Nazideutschland entstand im Wesentlichen durch die regionalgeschichtliche Forschung vieler Schüler der GCLS in Ober-Ramstadt in den letzten Jahren. In der Ausstellung werden viele Flucht- und Vertreibungsgeschichten Ober-Ramstädter Juden dokumentiert.  An zahlreichen persönlichen Beispielen, unter anderem der von Julius Bendorf und Abraham Wartensleben, werden individuelle Schicksale erzählt. Pässe und Dokumente erzählen von den schwierigen, fast unmöglichen Bedingungen einer Flucht. Ein Deportationskoffer, der dazu einlädt Dokumente, nachgestaltete Pässe und Objekte einer Deportation anzuschauen und auch anzufasssen, erzählt über den letzten erzwungenen Weg vieler Ober-Ramstädter jüdischer Bürger. Die Situation vieler Flüchtlinge aus Ober-Ramstadt während der NS Zeit kann teilweise mit der Situation zahlreicher Menschen heute außerhalb Europas verglichen werden. Heute wie damals sind die Grenzen für Flüchtlinge zumeist schwer zu überwinden und viele Staaten verschließen ihre Grenzen von den Verfolgten dieser Welt, betonte Harald Höflein, Lehrer an der Lichtenberg- Schule.

Am helllichten Tage: Der Deportationskoffer, mit der Nachbildung zahlreicher Originaldokumente.

Die Ausstellung kann noch bis Juli 2014 im Heimatmuseum besichtigt werden.

( Zusammenfassung des Berichts in den Odenwälder Nachrichten vom 12.02.2014)

Happy Birthday Julius! Ober-Ramstadts Ehrenbürger Julius Bendorf feiert seinen 99. Geburtstag in Los Angeles.

Über 150 Schüler der GCLS schicken Julius Bendorf Geburtstagsgrüße zu seinem 99. Geburtstag in Los Angeles. 

So weit weg und doch so nahe,  über facebook kann man sehen, dass Julius für seine 99 Jahre sehr vital wirkt. Ein Bild zeigt ihn fröhlich blinzelnden im sonnigen Kalifornien im Cabrio mit seinen Enkelkindern. Mittlerweile sind viele Schüler über facebook mit ihm befreundet und manchmal kommt sogar eine Nachricht, ein unverhoffter Kommentar von ihm.  Kein ausschweifendes “social media” Leben,  aber Julius “liked” Dinge, die er gut findet und ist präsent.  Dabei hilft ihm einer seiner Enkel, Scott Shapiro, der auch bei facebook arbeitet.

Julius und sein Enkel Scott auf der Feier

Julius und sein Enkel Scott auf der Feier.

Im Kreise seiner Familie feierte er seinen denkwürdigen Geburtstag. Eine Zeuge unseres Jahrhunderts. Geboren am 4. Januar  1915, während sein Vater im ersten Weltkrieg für Deutschland  kämpfte.  Auch die Stadt schickte schickten Glückwünsche und einen Stollen nach Kalifornien, wo der 1948 nach Amerika Ausgewanderte erst kürzlich in ein Seniorenheim umgezogen ist.  Im April 2011 war Bendorf während einer Feierstunde in Ober-Ramstadt „in dankbarer Anerkennung und Würdigung seines Einsatzes für den Frieden, die Verständigung und Aussöhnung der Menschen nach den Verbrechen der Nationalsozialisten und des Holocaust“ zum Ehrenbürger ernannt worden. „Nunmehr ist der Kreis meines Lebens geschlossen“, sagte der in Ober-Ramstadt geborene damals, der mit zwei Töchtern und vier Enkelkindern gekommen war. Seinen Namen habe er im Konzentrationslager verloren und sei nur noch eine Nummer gewesen. „Doch mit der Ehrung bin ich wieder ein Ober-Ramstädter.“

Es waren die Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, die den bis heute anhaltenden Kontakt zu dem in Los Angeles lebenden Bendorf wiederhergestellt hatten. Dreimal war er danach in seiner Geburtsstadt, unter anderem beim Verlegen von Stolpersteinen für seine im Holocaust ermordete Familie.

Geburtstagswünsche in vier verschiedenen Sprachen sowie ein Stollen

Ein Auszug: Geburtstagswünsche in vier verschiedenen Sprachen sowie ein Stollen reisten nach LA.

Täter- und Opferwelten in Auschwitz. Gastvortrag von Professor Greif aus Yad-Vashem

Täter in Auschwitz: Morgens brutal, privat gesellig und fröhlich. 

Zwei Fotosammlungen von 1944, die sogenannten Auschwitz-Alben, stellte der Historiker Gideon Greif in Ober-Ramstadt vor. Sie dokumentieren einerseits den Weg der Opfer zur Gaskammer im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, andererseits die Freizeitaktivitäten der Täter.

„Es sind intensive Fotos. Die Aufnahmen zeigen nichts Neues, bestätigen aber, was wir schon wissen“, leitete der in Tel Aviv geborene und in Wien promovierte Historiker Gideon Greif seinen Vortrag vor dreißig Zuhörern ein. Die Bilder des ersten Albums, aufgenommen von Berufsfotografen, zeigen die Ankunft ungarischer Juden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und ihre letzten Schritte zur Gaskammer. Keine vier Stunden werden bis dahin vergehen. Dass keine Gewalt zu sehen ist, fällt auf. „Die Fotos können als Propagandamaterial benutzt werden und sollen zeigen: Auschwitz ist ein Paradies“, erklärt der Historiker.

Von den Opfern gibt es erniedrigende Fotos

Die Kamera begleitet die Menschenmenge von der 830 Meter langen Rampe bis in den „Warteraum zum Tod“, einem „wie beim Sonntagsausflug“ belebten Wäldchen. Von dem, was dann folgt, gibt es keine Aufnahmen. Manche Fotos sind gestellt, „erniedrigend und in ihrer Absicht infam“, sagt Greif. Ein Porträt zeigt zwei Männer ohne Kopfbedeckung: „Die müssen sie abnehmen, aber so geht kein ungarischer Jude aus dem Haus.“

Greif benutzt kaum die Vergangenheitsform, sondern spricht im Präsens. Es ist, als wolle er die Vorgänge damit näher heranholen. Ein anderes Bild zeigt einen verwachsenen jungen Mann in einem Kinderstühlchen. „Das demonstriert, was Nationalsozialisten über die Juden denken: Sie sind krankhaft und eklig.“

Ganz anders das zweite Album mit privaten Aufnahmen eines SS-Angehörigen von Solahütte, einem 30 Kilometer von Auschwitz gelegenen Erholungsheim für die SS-Bewachung der Konzentrationslager in der Region. „Dort dürfen sich die Aufseher alle zehn Tage erholen“, erläutert Greif in spöttischem Tonfall.

Die mehr als 100 Bilder zeigen Schießübungen, eine Treibjagd, den Besuch hoher SS-Offiziere, die Einweihung eines Lazaretts und lachende, sich in Liegestühlen sonnende Frauen. „Es ist die Welt der Täter: Gesang, Lächeln und gute Laune“, sagt Greif und fügte ironisch hinzu: „In Auschwitz ist das Leben angenehm, man kämpft nicht an der Front.“ Die Frage, die der Historiker in den Raum stellt, bleibt unbeantwortet: „Wie können Menschen so gespalten sein? Morgens brutal im Lager und wenige Stunden später ganz anders.

Professor Greif, Mitarbeiter in Yad Vashem und Autor des Buches, "Wir weinten tränenlos ... Augenzeugenberichte des jüdischen ‘Sonderkommandos’ in Auschwitz". Köln 1995; Neuauflage Frankfurt am Main 1999; ISBN 978-3-596-13914-9; Jerusalem 1999.

Bereits am Vormittag hatte der Historiker vor achtzig Schülern der 12. Jahrgangsstufe der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule über die „Todesmaschinerie Auschwitz“ gesprochen. Die Schule und der Verein „Demokratie gegen das Vergessen“ haben die Vorträge ermöglicht, die vom Verein für Heimatgeschichte, der Stadt Ober-Ramstadt, der evangelischen Kirche und der Volksbank Modau unterstützt wurden.

Artikel von Elke Lipp, DE, Link:

http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/ober-ramstadt/Morgens-brutal-spaeter-ganz-anders;art1295,3905128

 

In Auschwitz wurden folgende Ober-Ramstädter Bürger ermordet:  Manfred Bendorf, Käthe Bendorf, Heinrich Wartenleben I, Thekla Wartensleben. Julius Bendorf überlebte Auschwitz-Monowitz und selbst die Todesmärsche.

LK-Geschichte der GCLS Ober-Ramstadt

Osteuropa als Ort nationalsozialistischer und stalinistischer Verbechen

Grüße aus der Ukraine! Erfahrungen einer spannenden Reise in die Abgründe der Geschichte aber auch in die gemeinsame Gegenwart in Europa.

1942 auf dem Bahnhof in Darmstadt: Dina Bendorf, Joseph und Moses Bendorf, Heinrich Wartensleben, alle Bürger Ober-Ramstadts, warten auf die Deportation: Sie haben alle das gleiche Schicksal: Sie werden in den KZs im äußersten Osten Polens an der Grenze zur Ukraine ermordet. Chris und Selin durften mit 80 Jugendlichen aus ganz Europa die Ukraine besuchen.

Hier noch mal für alle: Selins und Chris’ Blog mit ihren eigenen Erfahrungen der Reise, über einen sympathischen Bundestagspräsidenten, ihre beeindruckenden Treffen mit Zeitzeugen aus der Ukraine und Jugendlichen aus aller Welt. Eine Sichtweise auf Geschichte und die Zeit aus der Perspektive von unterschiedlichen Nationen.  Eine Begegnung über dem Horror des Massenmords der 30er und 40er Jahre in Osteuropa.  Die heutige Erinnerungskultur ist von den Verbrechen von Hitler und Stalin geprägt.

Treffen am Denkmal für die jüdischen Opfer in der Ukraine
Treffen am Denkmal der jüdischen Opfer in der Kiew/ Ukraine

Selins und Chris Blog mit spannenden Einblicken:

http://spurensucheukraine.wordpress.com/

“Der Großteil der Opfer des Nationalsozialismus, ist nicht in Deutschland gestorben,”  sie werden aus ganz Europa in die “Bloodlands”, wie sie von dem Historiker Timothy Snyder genannt werden, deportiert. Die meisten Opfer  des NS-Krieges  kommen aus Russland, aus Polen und der Ukraine”.

Zum offiziellen Film über die Reise: http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/jugendbegegnung_2013/video/index.jsp?nocache=true

Erster Programmpunkt war ein Besuch des Museums des großen Vaterländischen Krieges. Und ja, das Museum war genauso, wie man es sich beim Hören des Namens schon vorstellt: martialisch, patriotisch, monumental. Auf einem Hügel oberhalb der Stadt gelegen, thront auf dem Museumsbau eine 62 Meter hohe silberne Statue einer Frau mit erhobenem Schwert und Schild. Die Statue heißt “Mutter Heimat”, manche Teilnehmer betitelten sie allerdings gleich “Freiheitsstatue von Kiew”. Rechnet man den Sockel noch dazu, ist die Anlage sogar 102 Meter hoch. Aus Deutschland kenne ich nichts Ähnliches, höchstens vielleicht die Arminius-Statue im Harz. Ebenfalls ungewöhnlich war die Außendarstellung: heroische Statuen von Arbeitern und Bauern, daneben sowjetische Panzer und Kanonen, aus Lautsprechern kamen Siegesgesäge. Zum besseren Verständnis führten uns Tourguides und Dolmetscher durch de Ausstellung.

Nach dem Mittagessen besuchten wir das Denkmal für den “Holodomor”. Hier gedenken die Ukrainer der Toten der drei großen Hungersnöte von 1921/1922, 1932/33 und 1946/47. Die Gedenkstätte ist ebenso monumental in einem Park im Zentrum der Stadt lokalisiert und besteht aus einem grauen Turm mit goldener Spitze, unter dem ein unterirdischer Raum eingerichtet ist. In dessen Zentrum steht ein mit Weizenkörnern gefüllter “schwarzer Altar”. Zum Gedenken an die Toten können hier Kerzen aufgestellt werden. Vor dem Turm steht eine Statue eines kleinen, hungernden Mädchens.

Beide Museen decken zwei Themen unserer Fahrt ab: die Erinnerungskultur in der Ukraine und die Verbrechen der Nationalsozialisten. Nicht nur die Thematik sondern auch die Darstellung war unterschiedlich und wir diskutierten dementsprechend: Über die Darstellung von Opfern und Helden, das des Leids der Zivilbevölkerung, die Bedeutung der Erinnerungskultur für die Identität einer Nation und den Einfluss von Tourguides auf den Museumsbesuch. (Auschnitt aus dem offiziellen Blog der Jugendbegegnung)

Zwei Schüler auf Einladung der Bundesregierung in der Ukraine!

Auf den Spuren der NS-Verbrechen in Osteuropa. Zwei Ober-Ramstädter mit 80 europäischen Jugendlichen in der Ukraine

OBER-RAMSTADT. Selin Ilhan und Christopher Daniels von der Ober-Ramstädter Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule fahren Ende Januar zur Jugendbegegnung des Deutschen Bundestags, die „Osteuropa als Ort nationalsozialistischer Verbrechen; Besatzung, Zwangsarbeit und Völkermord in der Ukraine“ zum Thema hat.

Die Einladung kam direkt vom Besucherdienst des Deutschen Bundestags: „Ich freue mich ihnen mitteilen zu dürfen, dass für Sie einer der 80 Plätze reserviert ist und ich Sie im Namen von Bundestagspräsident Norbert Lammert zu der Veranstaltung einladen darf“, hieß es darin. Geschichtslehrer Harald Höflein war begeistert und gleichzeitig ernüchtert: „Nur ein Platz? Wir haben ganz tolle Kandidaten für ein solches  Treffen und brauchen mindestens zwei“, antwortete er, und sein Wunsch wurde tatsächlich erfüllt.

Die 17 Jahre alte Selin Ilhan und Christopher Daniels (20) werden nun vom 24. bis 30. Januar bei dem internationalen Treffen von achtzig jungen Leuten aus der Europäischen Union dabei sein. Nach dem Auftakt in Bonn geht es fünf Tage in die Ukraine.

Einreiseschwierigkeiten wird es nicht geben. Selin, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen, hat einen deutschen Pass, genau wie Christopher, dessen Mutter Argentinierin ist. Am letzten Tag werden die zwei in Berlin beim Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus im Plenarsaal des Deutschen Bundestags sitzen. Vor den beiden liegt ein umfangreiches Reiseprogramm mit Vorträgen, Besichtigungen und ständigem Aufarbeiten in Arbeitsgruppen. Sie werden etwas über die Besonderheiten der Shoah in der Ukraine erfahren, dort  die Gedenkstätte Babyn Jar besuchen, wo unter deutscher Besatzung 1941 innerhalb von zwei Tagen mehr als 33 000 Juden erschossen wurden, werden mit Zeitzeugen von Massenerschießungen und überlebenden Zwangsarbeitern sprechen.
Das ist nicht gerade leichte Kost für die Schüler. Doch Selin und Christopher scheuen keine Konfrontation: „Wir müssen die Vergangenheit kennen, um aus ihr zu lernen, nicht zu vergessen und etwas allgemein Gültiges, Positives in die Gesellschaft zu tragen.“ Vor allem die Begegnungen halten sie für wichtig. Ihr Lehrer Harald Höflein bestärkt sie: „Lasst euch darauf ein.“ Fast beneidet er die zwei um die Einladung. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass Selin und Christopher, wenn es der Tagesablauf zulässt, täglich von unterwegs über einen Blog im Internet von ihren Eindrücken berichten wollen.

DE, 02.01.2013 Lipp