Osteuropa als Ort nationalsozialistischer und stalinistischer Verbechen
Grüße aus der Ukraine! Erfahrungen einer spannenden Reise in die Abgründe der Geschichte aber auch in die gemeinsame Gegenwart in Europa.
1942 auf dem Bahnhof in Darmstadt: Dina Bendorf, Joseph und Moses Bendorf, Heinrich Wartensleben, alle Bürger Ober-Ramstadts, warten auf die Deportation: Sie haben alle das gleiche Schicksal: Sie werden in den KZs im äußersten Osten Polens an der Grenze zur Ukraine ermordet. Chris und Selin durften mit 80 Jugendlichen aus ganz Europa die Ukraine besuchen.
Hier noch mal für alle: Selins und Chris’ Blog mit ihren eigenen Erfahrungen der Reise, über einen sympathischen Bundestagspräsidenten, ihre beeindruckenden Treffen mit Zeitzeugen aus der Ukraine und Jugendlichen aus aller Welt. Eine Sichtweise auf Geschichte und die Zeit aus der Perspektive von unterschiedlichen Nationen. Eine Begegnung über dem Horror des Massenmords der 30er und 40er Jahre in Osteuropa. Die heutige Erinnerungskultur ist von den Verbrechen von Hitler und Stalin geprägt.
Selins und Chris Blog mit spannenden Einblicken:
http://spurensucheukraine.wordpress.com/
“Der Großteil der Opfer des Nationalsozialismus, ist nicht in Deutschland gestorben,” sie werden aus ganz Europa in die “Bloodlands”, wie sie von dem Historiker Timothy Snyder genannt werden, deportiert. Die meisten Opfer des NS-Krieges kommen aus Russland, aus Polen und der Ukraine”.
Zum offiziellen Film über die Reise: http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/jugendbegegnung_2013/video/index.jsp?nocache=true
Erster Programmpunkt war ein Besuch des Museums des großen Vaterländischen Krieges. Und ja, das Museum war genauso, wie man es sich beim Hören des Namens schon vorstellt: martialisch, patriotisch, monumental. Auf einem Hügel oberhalb der Stadt gelegen, thront auf dem Museumsbau eine 62 Meter hohe silberne Statue einer Frau mit erhobenem Schwert und Schild. Die Statue heißt “Mutter Heimat”, manche Teilnehmer betitelten sie allerdings gleich “Freiheitsstatue von Kiew”. Rechnet man den Sockel noch dazu, ist die Anlage sogar 102 Meter hoch. Aus Deutschland kenne ich nichts Ähnliches, höchstens vielleicht die Arminius-Statue im Harz. Ebenfalls ungewöhnlich war die Außendarstellung: heroische Statuen von Arbeitern und Bauern, daneben sowjetische Panzer und Kanonen, aus Lautsprechern kamen Siegesgesäge. Zum besseren Verständnis führten uns Tourguides und Dolmetscher durch de Ausstellung.![teilnehmer[1]](http://www.stolpersteine-ober-ramstadt.de/wp/wp-content/uploads/2013/02/teilnehmer1-300x200.jpg)
Nach dem Mittagessen besuchten wir das Denkmal für den “Holodomor”. Hier gedenken die Ukrainer der Toten der drei großen Hungersnöte von 1921/1922, 1932/33 und 1946/47. Die Gedenkstätte ist ebenso monumental in einem Park im Zentrum der Stadt lokalisiert und besteht aus einem grauen Turm mit goldener Spitze, unter dem ein unterirdischer Raum eingerichtet ist. In dessen Zentrum steht ein mit Weizenkörnern gefüllter “schwarzer Altar”. Zum Gedenken an die Toten können hier Kerzen aufgestellt werden. Vor dem Turm steht eine Statue eines kleinen, hungernden Mädchens.
Beide Museen decken zwei Themen unserer Fahrt ab: die Erinnerungskultur in der Ukraine und die Verbrechen der Nationalsozialisten. Nicht nur die Thematik sondern auch die Darstellung war unterschiedlich und wir diskutierten dementsprechend: Über die Darstellung von Opfern und Helden, das des Leids der Zivilbevölkerung, die Bedeutung der Erinnerungskultur für die Identität einer Nation und den Einfluss von Tourguides auf den Museumsbesuch. (Auschnitt aus dem offiziellen Blog der Jugendbegegnung)
Zwei Schüler auf Einladung der Bundesregierung in der Ukraine!
Auf den Spuren der NS-Verbrechen in Osteuropa. Zwei Ober-Ramstädter mit 80 europäischen Jugendlichen in der Ukraine
OBER-RAMSTADT. Selin Ilhan und Christopher Daniels von der Ober-Ramstädter Georg-Christoph-Lichtenberg-Schu
le fahren Ende Januar zur Jugendbegegnung des Deutschen Bundestags, die „Osteuropa als Ort nationalsozialistischer Verbrechen; Besatzung, Zwangsarbeit und Völkermord in der Ukraine“ zum Thema hat.
Die Einladung kam direkt vom Besucherdienst des Deutschen Bundestags: „Ich freue mich ihnen mitteilen zu dürfen, dass für Sie einer der 80 Plätze reserviert ist und ich Sie im Namen von Bundestagspräsident Norbert Lammert zu der Veranstaltung einladen darf“, hieß es darin. Geschichtslehrer Harald Höflein war begeistert und gleichzeitig ernüchtert: „Nur ein Platz? Wir haben ganz tolle Kandidaten für ein solches Treffen und brauchen mindestens zwei“, antwortete er, und sein Wunsch wurde tatsächlich erfüllt.
Die 17 Jahre alte Selin Ilhan und Christopher Daniels (20) werden nun vom 24. bis 30. Januar bei dem internationalen Treffen von achtzig jungen Leuten aus der Europäischen Union dabei sein. Nach dem Auftakt in Bonn geht es fünf Tage in die Ukraine.
Einreiseschwierigkeiten wird es nicht geben. Selin, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen, hat einen deutschen Pass, genau wie Christopher, dessen Mutter Argentinierin ist. Am letzten Tag werden die zwei in Berlin beim Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus im Plenarsaal des Deutschen Bundestags sitzen. Vor den beiden liegt ein umfangreiches Reiseprogramm mit Vorträgen, Besichtigungen und ständigem Aufarbeiten in Arbeitsgruppen. Sie werden etwas über die Besonderheiten der Shoah in der Ukraine erfahren, dort die Gedenkstätte Babyn Jar besuchen, wo unter deutscher Besatzung 1941 innerhalb von zwei Tagen mehr als 33 000 Juden erschossen wurden, werden mit Zeitzeugen von Massenerschießungen und überlebenden Zwangsarbeitern sprechen.
Das ist nicht gerade leichte Kost für die Schüler. Doch Selin und Christopher scheuen keine Konfrontation: „Wir müssen die Vergangenheit kennen, um aus ihr zu lernen, nicht zu vergessen und etwas allgemein Gültiges, Positives in die Gesellschaft zu tragen.“ Vor allem die Begegnungen halten sie für wichtig. Ihr Lehrer Harald Höflein bestärkt sie: „Lasst euch darauf ein.“ Fast beneidet er die zwei um die Einladung. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass Selin und Christopher, wenn es der Tagesablauf zulässt, täglich von unterwegs über einen Blog im Internet von ihren Eindrücken berichten wollen.
DE, 02.01.2013 Lipp
Stone Stories: Washingtoner Zeitung berichtet über Trudy Isenberg und die Stolpersteinverlegung in Ober-Ramstadt
Unsere diesjährige Stolpersteinverlegung im Mai 2012 hat auch in der USA Interesse geweckt. Das Schiksal der Holocaustüberlebenden Trudy Isenberg und ihre Reise nach Ober-Ramstadt werden in einem interessanten Artikel gewürdigt. Die im Großraum Washington erscheindene Washington Jewish Week mit über 150 000 Lesern hebt dabei besonders die Aktivitäten der Ober-Ramstädter Schüler hervor, die zahlreiche Forschungen und Veranstaltungen zu dem auch heute noch aktuellen Thema machen und mit Trudy über einen langen Zeitraum in Briefkontakt standen.
Der Artikel endet mit den Gedanken der heute 91 jährigen Trudy Isenberg:
Isenberg continues to stay in touch with Hoeflein and the students. “Hitler wanted an Aryan town, an Aryan country,” she says. “And yet, one of these high school students is Indian, one is Muslim, one from Turkey. Amazing.” The town of 6,000 now boasts a population of 18,000. It is ethnically diverse. And all walk lightly over the stones cast with the memories of those who walked the streets before. Forcing them to be careful not to stumble again.
Link zum Artikel:
Stone stories – Washington Jewish Week – Online Edition – Rockville, MD
Los Angeles Ober-Ramstadt: Jewish Journal berichtet über Julius Bendorfs Leben und über das Projekt
Julius Bendorfs Leben und das Projekt der Ober-Ramstädter Lichtenbergschule werden in einem Zeitungsartikel des “Los Angeles Jewish Journal” besonders gewürdigt. Beeindruckende Bilder eines bekannten Fotografen begleiten den Bericht. Sein Lebensweg und sein Schiksal werden im Artikel beleuchtet: Seine glückliche und unbefangene Jugend in Ober-Ramstadt, dann die Ausgrenzung und sein Weg nach Auschwitz, die Ermordung seines Bruders und seiner gesamten Familie, sowie auch sein schwieriger Neuanfang in Amerika.
Der Besuch der ganzen Familie und Wiederkehr zur Stolpersteinverlegung 2010 und seine Ernennung zum Ehrenbürger (siehe eigenen Bericht auf der Webseite) beschreiben einen amemberaubenden und wechselvollen Lebensweg im 20.Jarhundert des heute 97jährigen. Julius Bendorf ist heute eine ganz besondere Persönlichkeit, die durch die Bilder des Fotografen David Miller besonders in Szene gesetzt wird.
Link zum Zeitungsbericht:
“Mein Vater hat endlich einen Platz gefunden”
Mahnmal für Menschlichkeit
Trudy Isenberg kommt aus den USA zur Verlegung von Stolpersteinen nach Ober-Ramstadt
![BILD1[1] Stolpersteine erinnern an Familie Bendorf: Die 91 Jahre alte Trudy Isenberg (Zweite von links) mit Amber Pra, Lena Lautz und Katja Zander (von links). Der Geschichtsleistungskurs der Ober-Ramstädter Lichtenbergschule hält engen Kontakt mit der Holocaustüberlebenden. Foto: Karl-Heinz Bärtl](http://www.stolpersteine-ober-ramstadt.de/wp/wp-content/uploads/2012/05/BILD11-300x238.jpg)
Stolpersteine erinnern an ihre Eltern Moses und Julie Bendorf: Die 91 Jahre alte Trudy Isenberg (Zweite von links) mit Amber Pra, Lena Lautz und Katja Zander (von links). Der Geschichtsleistungskurs der Ober-Ramstädter Lichtenbergschule hält engen Kontakt mit der Holocaustüberlebenden. Foto: Karl-Heinz Bärtl
An vier Orten fügte Demnig am Montag insgesamt neun Gedenksteine ein: in der Hohlgasse 4 für Käthe, Simon und Willi Bendorf, in der Hammergasse 2 für Julie, Moses und Gertrude Bendorf, in der Grafengasse 3 für Thekla und Joseph Wartensleben sowie in der Grabengasse 3 für Heinrich Wartensleben. An jeder Station trugen Schüler die Biografien vor und untermalten diese mit Musikstücken.
Zuvor war die Verlegung im Scheunensaal der Stadthalle mit Schülern, Eltern, Bürgern und Kommunalpolitikern eröffnet worden. Hier sprachen neben der Stadträtin Ursula Pullmann und dem Schulpfarrer Ernst-Werner Knöß auch Oberstufenschüler, die mit ihrem Geschichtslehrer Harald Höflein die Aktion vorbereitet haben.
Katja Aylin Zander (20) zeigte sich tief berührt von der persönlichen Begegnung mit Trudy Isenberg, mit der die Schüler des Leistungskurses Geschichte seit einem Jahr in Kontakt sind. Christopher Daniels (20) sagte: „Das Geschehene ist zwar nicht gutzumachen, aber wir können die Menschen ehren, uns um ihre Schicksale kümmern und sie auf diese Art in ihre angestammte Nachbarschaft zurückbringen.“
Für den Zwölftklässler seien durch die Aktion Stolpersteine „Häuser, Orte und Menschen lebendiger geworden“. Die Stolpersteine seien ein „Mahnmal für Toleranz, Menschlichkeit und Solidarität und ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit“, sagte Daniels. Günter Demnig verlegt seit 1995 Gedenksteine, um an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erinnern. Inzwischen hat er mehr als 32 000 Stolpersteine verlegt.
Auf dem Weg zur Stolpersteinverlegung am 14. Mai:
Die Synagoge in Ober-Ramstadt brannte und die Luft war voller Qualm. Häuser wurden zerstört und Leute auf offener Straße verprügelt. Nachts zog die SA um die Häuser und
sang hasserfüllte Lieder.
Erinnerungen an die Reichskristallnacht in Ober-Ramstadt. Trudy Isenberg hat sie erlebt und in all dem Chaos ihren Geburtstag gefeiert. Ihr 18 Geburtstag 1m 12.11 1938 wird sie nie vergessen. Kurz danach wird sie von ihren Eltern in die USA geschickt, in Sicherheit. Ihre Eltern, wie so viele andere, überleben die NS-Zeit nicht, sie wird sie nie wieder sehen.
Die Schüler haben eine in den letzten Jahren wieder einen Kontakt geknüpft zu Trudy Isenberg und ihrer Familie, die damals noch Gertrud Bendorf hieß.
Am 14. Mai wird sie anwesend sein bei der Verlegung von Stolpersteinen für sie und ihre Familie. Auch zu Ruth Markover aus Israel und Frau Straßburger-Grüber aus Wermelskirchen konnte ein Kontakt geknüpft werden. Frau Strassburger-Grüber und Frau Markover stehen stellvertretend für die verzweigte Familie Wartensleben, mit der Schüler in letzter Zeit begonnen haben Kontakt zu knüpfen.
Ab 15 Uhr 30 wird in der Scheunengalerie die Auftaktveranstaltung zur Verlegung der Stolpersteine beginnen.
Ab 16 Uhr werden beginnend mit der Hohlgasse über die Hammergasse, die Grafengasse und die Grabengasse Stolpersteine für 9 weitere Opfer der Stolpersteine verlegt werden.
Ab 18 Uhr wird im Prälat-Diehl-Haus ein gemeinsamer Abschluss stattfinden, wo es noch die Möglichkeit zur Begegnung mit den Gästen aus Amerika gibt. 
Ein Jahrhundert bewegte und bewegende deutsche Geschichte! Julius Bendorf wird 97.
Ein Stollen und ein Fotoband über seine bewegenden Reisen nach Ober-Ramstadt im Jahr 2010/11 für Julius Bendorf!
Am 4.01.2012 feierte Julius Bendorf seinen 97. Geburtstag, nicht ohne einen Geburtstagsbrief mit zahlreichen Unterschriften und Glückwünshcen von Schülerinnen und Schülern der GCLS. Auch seine Lieblingsspeise, ein Stollen des Ober-Ramstädter Bäckers Finger, fand seinen beschwerlichenWeg nach Los Angeles. Zudem erreichte ihn ein sehr schöner Fotoband über seine drei Reisen in die alte Heimat. Der von Christa Schemel-Trumpfheller gestaltete Band fand bei Julius und seiner Familie großen Anklang. Eine sehr schöne Erinnerung, die vielleicht motiviert, doch noch mal die Reise zu wagen. Wir würden uns freuen!
Weihnachtsgrüße und ein frohes neues Jahr für alle Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule!
“Alles Gute für eure Zukunft” von Julius Bendorf und seiner Familie!
Schüler gegen das Vergessen

- Lena Lautz und Katja Zander berichten über ihren Briefwechsel mit Trudy Isenberg aus Baltimore, deren Eltern aus Ober-Ramstadt kamen und im Holocaust ermordet wurden.
Die Schüler der beiden Lichtenberg Schulen aus Darmstadt und Ober-Ramstadt gestalteten einen Abend zum Thema “Zukunft der Erinnerung”.
Im zweiten Teil berichteten die Schüler der GCLS Ober-Ramstadt von ihrer Beschäftigung mit der Geschichte ihrer eigenen Stadt in der NS Zeit und ihrer Begegnung mit Julius Bendorf, einem Überlebenden des Holocaust. In einer bewegenden Filmpräsentation entwickelte sich eine Annäherung an die vielen Aktivitäten der Schüler, die sich seit 2008 mit ihren historischen Arbeiten den Auschwitzgedenktag gestalten und sich vor allem bemühen die Opfer und die Familienangehörigen ehemaliger jüdischer Bürger aus Ober-Ramstadt ausfindig zu machen und mir ihnen in Kontakt zu treten.
Die eintätowierte KZ-Nummer auf dem Arm des ehemaligen Ober-Ramstädter Bürgers Julius Bendorf, der als Jude Auschwitz überlebte, prägte sich in das Gedächtnis der Schüler mehr ein als jede Quelle aus dem Geschichtsbuch, so Eldar Numanovic.
LK-Geschichte beeindruckt mit seinen Beiträgen das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt

- Ein Bild aus glücklichen Tagen: Gertrud Bendorf als 12 jährige mit Henry und Manfred Bendorf, den Kindern ihrer Verwandten. 1939 schicken ihre Eltern sie nach Amerika in Sicherheit. Sie wird sie nie wiedersehen: Moses und Juli Bendorf überleben den Holocaust nicht. Alleine in der USA verbindet Gertrud nur noch die Freundschaft zu drei Freundinnen, die in der NS-Zeit weiter zu ihr standen. Die Freundinnen schreiben sich nach dem Krieg Briefe und sehen sich 1971 zum ersten Mal wieder. Eine Geschichte von vielen aus Ober-Ramstadt.
Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt präsentiert Schülerarbeiten zur jüdischen Vergangenheit Ober-Ramstadts
Oberstufenschüler der GCLS werden zu regionalgeschichtlichen Forschern und begeistern damit Historikerin aus Frankfurt.
Die Präsentation der Themen verfolgte Dr. Monica Kingreen vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des jüdischen Museums in Frankfurt. Mit spürbarer Aufregung kickten die Schüler Bild für Bild ihrer vorbereiteten Themen zum früheren jüdischen Leben in der Stadt an und berichteten über ihre Nachforschungen. Dabei wurden einzelne Persönlichkeiten und Familien lebendig in ihrem Lebensalltag in der Dorfgemeinschaft vor der Machtübernahme durch die Nazis 1933. Beispielhaft werden drei Lebensläufe und zwei Familien anhand von Bildern vorgestellt. Auch über das religiöse Leben und die Synagoge berichtet eine Gruppe. Schwerpunkt der Seite des Instituts soll das Leben der jüdischen Gemeinden vor dem Holocaust sein, dennoch ist auch die “Reichskristallnacht” ein Thema. Die Geschichte und die Bilder der Reichspogromnacht in Ober-Ramstadt bilden eine Besonderheit in der Präsentation: Eine seltene Bilderfolge von circa 20 Bildern, die Zuschauer, Passanten und die Feuerwehr über einen längeren Zeitverlauf zeigen. Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Reaktionen laden zur Interpretation ein. Frau Dr. Kingreen ist äußerst beeindruckt und möchte den kompletten Satz Bilder, der im Archiv des Vereins für Heimatgeschichte lagert.
Was die Schüler ausgearbeitet haben, soll demnächst auf die Website des Zentrums gestellt und damit ein Kapitel der Ober-Ramstädter Ortsgeschichte für jeden zugänglich werden. Frau Dr. Kingreen zeigte sich sichtlich beeindruckt und lobte die Schüler immer wieder. Die Schüler wiederum interessieren sich für Fragen zu Konzept und Aufbereitung der Webseite.
Aufschlussreich und interessant seien, so Kingreen, vor allem auch die Fotos vom täglichen Leben, von Arbeit und Alltag, sowie vom Zusammenleben im Sport- , Gesang oder Karnevalsverein.
Bei den vorhandenen Bildern machte sie kaum Einschränkungen: „Klar können wir auch ganze Fotoserien einstellen.“ Die Auswahl aus dem vorhandenen Material ist für die Schüler derzeit das größte Problem: Über die letzten Jahre wurde unglaublich viel zusammengetragen und durch die Website über die Stolpersteine in Ober-Ramstadt kommen immer mehr Kontakte und Material hinzu.
Ein Stadtrundgang mit “Elisabeth May”
„Ich hab mich früher nie für die Geschichte meiner Familie interessiert“

Elisabeth Miura (geborene May) der Archivar der Stadt Dieburg, Frau Posselt und die Schülerinnen Amber Pra, Carmen Kehr und Berna Er lassen sich die Bedeutung der Inschriften erläutern.
Elisabeth Miura, geborene May, freut sich über die Begrüßung durch Frau Posselt, die Verantwortliche für den jüdischen Friedhof in Dieburg und die Schüler. Sie befindet sich auf einer Reise in die Vergangenheit ihrer Familie. Eine Familie, die es noch schaffte 1938 der Vernichtung durch Flucht in die USA zu entkommen. Ihre Ahnen waren angesehene Ortsbürger in Ober-Ramstadt, Kaufleute und Metzger, die im Turnverein und in der jüdischen Gemeinde sich engagierten. Das Elternhaus ihrer Urgroßmutter Emma May stand in der Kirchstraße 11, später war ihre Metzgerei in der Darmstädterstraße 33. Die Flucht aus der alten Heimat und der Neubeginn in der USA waren nicht leicht für ihre Familie. Frau Miura bringt Bilder und Memoiren ihres Cousins Albert May mit, der als 16 Jähriger 1936 mit seiner Familie aus Ober-Ramstadt fliehen musste. Viel hatten sie zurück lassen müssen und der Neuanfang in der USA war schwer. Der heute 91 jährige erinnert sich auf 40 Seiten an eine unbeschwerte Kindheit im evangelischen Kindergarten, im Turnverein und in der Schule. Von Ausgrenzung war damals noch nichts zu spüren für ihn. Aber auch die Entrechtung und Erniedrigung nach der Machtergreifung beschreibt er genau. Später kommt Albert als amerikanischer Soldat zurück, mit ambivalenten Gefühlen. Diesen Beitrag weiterlesen »
![j__disches_Denkmal[1] Treffen am Denkmal für die jüdischen Opfer in der Ukraine](http://www.stolpersteine-ober-ramstadt.de/wp/wp-content/uploads/2013/02/j__disches_Denkmal1-300x200.jpg)




