Moses, Julie und Gertrud Bendorf, eine deutsche Familie

Trudy wird als Gertrude Therese Bendorf am 12.11.1920 in Ober-Ramstadt geboren. Mit ihren Eltern Julie Bendorf, geb. Kahn und Moses erlebt sie glückliche Zeiten in den 20er Jahren. 1933 beginnt Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung. Bis 1936 verlieren sie durch die Arisierung ihr Geschäft und ihre wirtschaftliche Existenz.

Julie und Moses Bendorf ca. 1920

Die Brüder von Julie Kahn eröffnen vor 1918 ein Geschäft in der Bahnhofstr. Hier wurde Gertrude Therese Bendorf 1920 geboren. Moses Bendorf – er war sogar Offizier in der kaiserlichen Armee im ersten Weltkrieg – heiratete Julie Kahn 1919. Sie übernehmen ein Textil- und Kurzwarengeschäft in der Bahnhofstraße. 1927 zieht die Familie in das Haus Hammergasse 2, was sie selbst gebaut haben,  auch eine Brücke haben sie von einen Architekten bauen lassen, um einen direkten Eingang zum Geschäft zu haben.

Gertrud als Weihnachtsengel im Krippenspiel

Gertrude schildert ihre Familie und ihre Kindheit als sehr glücklich. Sie besucht den evangelischen Kindergarten und spielt den Weihnachtsengel im Krippenspiel. Die Familie Kahn war sehr angesehen in Ober-Ramstadt. Moses Bendorf war Mitglied des Gesangvereins Concordia bis 1933 die Nazis kamen. Nach der Machtübertragung griffen viele Gesetze gegen Juden und jüdische Geschäfte wurden immer stärker eingeschränkt. Nur drei Freundinnen, Käthe Ackermann, Emma Sachse und Christiane Meese halten dennoch weiterhin zu Trudy. 1936 sind sie gezwungen ihre Wohnung und ihr Geschäft für sehr wenig Geld an eine Familie zu vermieten, die nach Schilderungen von Trudy überzeugte Nazis waren. Das war der wirtschaftliche Niedergang. Vor allem ihre Mutter litt sehr stark unter der Ausgrenzung und der Entrechtung. In der Folgezeit erlitt Juli Bendorf mehrere Schlaganfälle. Sie kann nicht verstehen was passiert, die Propaganda, die Schikanen und dass man sie wirtschaftlich ruiniert. Sie kann es nicht begreifen, sind doch zwei ihrer Brüder im ersten Weltkrieg für Deutschland gestorben und ein weiterer Bruder überlebte nur schwer verletzt und blieb taub.

Flucht ins Ungewisse und Endlösung

1927 bauen Julie und Moses ein Haus in der damaligen Hammergasse 2

Gertrud erlebt noch die „Kristallnacht“ 1938 in Ober-Ramstadt, sie ist das einzige Kind von Moses und Julie. Für die Familie war das eine schreckliche Erfahrung – Gertrude hat auch noch Geburtstag am 12. November, er steht unter sehr schlechten Vorzeichen, sie wird 18 Jahre alt. Das war für die Eltern das letzte Signal: Sie nehmen ihr letztes Geld und schicken im Januar 1939 ihre Tochter ganz alleine in die USA, es reicht nur für sie. Im Oktober 1939 stirbt ihre Mutter in Mannheim bei Verwandten, Gertrud ist sich sicher, dass die tatkräftige Geschäftsfrau durch die soziale Ausgrenzung, die Entrechtung und die wirtschaftliche Ruinierung durch die erzwungene Arisierung schwer herzkrank geworden ist.

Aus den Odenwälder Nachrichten 1927

Aus den Odenwälder Nachrichten 1927

Moses Bendorf wird 1942 deportiert und stirbt wahrscheinlich im KZ Trawniki in Polen, zusammen mit seinem Bruder Joseph und dessen Frau Dina Bendorf. Die Familie von Julies Schwester, Johanna Stahl, geb. Kahn und Berthold Stahl, werden mit ihren drei Söhnen ebenfalls 1942 in Auschwitz ermordet.

 

Gertrude, Henry und Manfred Bendorf 1932