“Hört nicht auf mit dem was ihr macht”!

Stolpersteine schaffen Begegnung: Karen Elson hatte eine Großmutter aus Ober-Ramstadt

Eine Nachfahrin der Ober-Ramstädter Familie Wartensleben, an deren Schicksal Stolpersteine in der Grafengasse erinnern, war jetzt aus Columbus, Ohio in den USA angereist. Schüler des Geschichtsleistungskurses der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule führten sie zum Grundstück ihrer Vorfahren.

Georgios Michaelis erklärt Karen Elson und ihrem Mann die Geschichte der Ober-Ramstädter Synagoge. Der Platz soll nach Abraham Wartensleben benannt werden.

Georgios Michaelis erklärt Karen Elson und ihrem Mann die Geschichte der Ober-Ramstädter Synagoge. Der Platz soll bald nach Abraham Wartensleben benannt werden.

Gemeinsam auf den jahrhundertealten Spuren der Familie Wartensleben auf dem jüdichen Friedhof in Dieburg

Gemeinsam auf den jahrhundertealten Spuren der Ober-Ramstädter Familie Wartensleben auf dem jüdischen Friedhof in Dieburg.

Als klar war, dass Karen Elson mit ihrem Ehemann Jeff Ober-Ramstadt besuchen würde, haben die Schülern den Rundgang in englischer Sprache zusammengestellt. Zunächst informierte Höflein über Elsons Verbindung nach Ober-Ramstadt. „Ihre Oma, Emma Wartensleben, wurde hier als Tochter von Josef und Thekla Wartensleben geboren. Alle drei wurden im Holocaust umgebracht.“

„Es berührt mich alles sehr“, sagt Karen Elson während des Rundgangs. Meist schweigend läuft sie mit ihrem Ehemann in der Gruppe. Auch er müsse all die Informationen erst einmal verkraften, sagt er. Fotos von der brennenden Synagoge in der Reichskristallnacht, Aufnahmen von Juden, die zusammengetrieben wurden. „Das muss alles erst verarbeitet werden“, sagt Jeff Elson. In der Grafengasse 3 ist das Ziel erreicht. Andächtig blickt Karen Elson auf die Messingtafeln auf dem Boden, die an Joseph und Thekla Wartensleben erinnern. Schüler Rafael Riege erinnert an das Leben der jüdischen Familie, das so grausam endete. Karen Elsons Mutter hatte das Konzentrationslager überlebt und war später ins Ausland geflohen. „So sad“ – „So traurig“ – mehr vermag sie in den folgenden Minuten kaum zu sagen. Auch später, beim Empfang im Rathaus, ist die Ergriffenheit der amerikanischen Gäste zu spüren. Aufmerksam hören sie zu, wie Bürgermeister Werner Schuchmann von der breiten Zustimmung der Ober-Ramstädter für das Stolpersteinprojekt erzählt. Dass die Stadt das Engagement der Schüler fördert und dass es Überlegungen gibt, den Platz an der ehemaligen Synagoge nach der Familie Wartensleben zu benennen.

Karen und Jeff vor dem Haus ihrer Großmutter. Rafael Riege berichtet über Leben und Schicksal der  Familie Wartensleben mit ihren 7 Kindern.

Karen und Jeff vor dem Haus ihrer Großmutter. Rafael Riege berichtet über Leben und Schicksal der Familie Wartensleben mit ihren 7 Kindern.

Und dann findet Karen Elson plötzlich ihre Sprache wieder. Mit klarer Stimme sagt sie in die Runde: „Don’t stop what you do. It is very important for people like me“ – „Hört nicht auf, mit dem, was ihr macht. Es ist für Menschen wie mich sehr wichtig.“

Ausschnitt aus dem Bericht des Darmstädter Echos vom 22.Mai 2015

http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/ober-ramstadt/9000-Kilometer-bis-zu-den-Familienwurzeln;art1295,6247519

 

 

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