Über das Projekt

“Ich habe die Hoffnung, dass sich eines Tages jemand erinnert, dass einmal eine Person lebte, die Daniel Berger hieß”.

 (Daniel Berger,der 1941 mit 19 Jahren von der SS in Vilna erschoßen wurde, im letzten Brief an seine Freundin). Quelle: Jad Vashem

Tot sind nur die, die man vergisst … Stolpersteine in Ober-Ramstadt
Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der seit 1995 durch kleine Gedenksteine vor den früheren Wohnorten an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern will. Stolpersteine sind kleine mit Messing überzogene Betonwürfel, auf der die Lebens- und Todesdaten eines Opfers eingraviert werden.

Diesem Erinnerungs-Projekt haben sich seit Beginn ehrenamtliche Initiativen in zahlreichen Städten in Deutschland, Österreich, Ungarn und den Niederlanden angeschlossen. Seit 2008 kümmert sich ein Projekt der Georg-Christoph Lichtenberg Schule um die Geschiche der NS Zeit und der jüdischen Gemeinde in Ober-Ramstadt. Im März 2010 wurden zum ersten Mal 10 Gedenksteine für die Opfer der NS Zeit in Ober-Ramstadt in die Gehwege gesetzt – unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und unter Anwesenheit des Ober-Ramstädter Auschwitzüberlebenden Julius Bendorf, zu dem die Schüler einen intensiven und ausdauernden Briefkontakt entwickelt haben.

Die Opfer aus der Anonymität holen
Das Engagement und die Recherche der Schüler sowie die Unterstützung durch den Verein für Heimatgeschichte, die Stadt und die beiden Kirchen trägt das Projekt.
Vieles basiert auf den jahrelangen intensiven Vorarbeiten von Otto Weber,  Prof. Helmut Beier und Prof. Gerd Steffens, die sich hier große Verdienste erworben haben.
Ziel der Arbeit ist es, die Opfer der Anonymität zu entreißen und den Opfern ein Gesicht zu geben. Einzelschicksale entstanden, mit denen die Ermordeten in Wort und Bild vor unsere Augen treten und so vor dem Vergessen bewahrt werden.

 

Begegnung zwischen den Generationen fördern
Im Rahmen dieser Arbeit sind nicht nur die Lebensdaten von Opfern erforscht worden, intensive Kontakte geknüpft worden mit Überlebenden und den Kinder- und Enkelkindergeneration der Opfer, es wurden auch zahlreiche wichtige kleine Puzzelsteinchen zum Verständnis der Geschichte des 20 Jahrhunderts in Ober-Ramstadt zusammengetragen.

Ein Schülerprojekt wird zum Bürgerprojekt
Das Projekt wird durch Patenschaften finanziert und ist bei den Ober-Ramstädter Bürgern auf eine bemerkenswert hohe Akzeptanz gestoßen. Die Stolpersteine finden auch die ausdrückliche Unterstützung seitens der Politik und ihrer Repräsentanten in Ober-Ramstadt.
Die Projektgruppe der Schüler und die Unterstützer der Stolpersteine in Ober-Ramstadt hoffen sehr, dass dieses Projekt dazu beitragen möge, sich zu erinnern – zumal in einer Zeit, in der die Erinnerung verblasst und oft als unnötig erscheint. Häufig wird die Forderung erhoben nach einem endgültigen Schlussstrich unter die jüngere deutsche Vergangenheit.

Erinnern für die Zukunft
Aber gerade heute in unserer globalisierten und vernetzten Welt rückt die Fähigkeit des Fremdverstehens, der Toleranz und der gelebten demokratischen Werte immer wichtiger in den Vordergrund. Über sogenannte kulturelle Grenzen hinweg ist ein Dialog und ein demokratisches Miteinander vielleicht heute wichtiger als jemals zuvor.